Projekttage von August bis November 2019 mit vier Schülern der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule Wedel zum Thema Altersarmut, Kinderarmut, Obdachlosigkeit und Lebensmittelkonsum

Projektbeschreibung und Ablauf:
Ziel des Projektes ist es, eine Übersicht zum Thema Obdachlosigkeit und deren Gründe und Auswirkungen zu erstellen. Warum sind Menschen obdachlos? Wie wird man obdachlos? Wie verbringen Obdachlose ihren Tag? Welche Hilfen gibt es in Hamburg für Obdachlose? Wie kann ich Obdachlosen helfen, was ist richtige Hilfe? Kann ich Obdachlose einfach so ansprechen? Diese Fragen und mehr beschäftigten die Schüler.
Des Weiteren wurde die Thematik der Armut und Bedürftigkeit erläutert. Warum nutzen viele Menschen aller Altersklassen die Tagesstätten-Einrichtungen, die Tafeln und andere Hilfseinrichtungen? Wie werden sie dort versorgt, welche Problematiken stellen sich?
In einem Interview mit Susanne Groth, Leben im Abseits e. V., erhielten die Schüler dedizierte Informationen zu den Themen Obdachlosigkeit, Armut und Bedürftigkeit. Hier ergaben sich bereits viele Neuigkeiten und auch Fragen für die Schüler.
Auf der Buchvorstellung „UNTER DEM RADAR – Leben und Helfen im Abseits“ wurden die Schüler anhand von authentischen Interviews mit der Problematik der Obdachlosigkeit konfrontiert, erfuhren auch von den Tätigkeitsfeldern der Akteure in der Obdachlosenhilfe wie z. B. Straßensozialarbeiter, Bürgernahe Beamte und lernten einige der bestehenden Hilfseinrichtungen kennen.
In der Tagesstätten-Einrichtung CaFée mit Herz, einer Einrichtung für obdachlose und bedürftige Menschen in Hamburg, erfahren die Schüler von Jan Marquardt, Leiter der Einrichtung, mit welchen Problematiken die Mitarbeiter tagtäglich konfrontiert werden, welche Hilfe sie anbieten und welche Möglichkeiten sich bieten, obdachlose Menschen zu unterstützen.
Im Anschluss führen die Schüler ein Interview mit Jürgen, einem obdachlosen Mann. Jürgen berichtet lebhaft von seinen Erfahrungen, die er in fast 30 Jahren auf der Straße sammeln konnte. Dieses Gespräch beeinflusste die Schüler sehr nachhaltig.
Projektverlauf:
Die Schüler waren von Projektbeginn an sehr interessiert, sehr gut vorbereitet und überdurchschnittlich engagiert.
Die Ausführungen über die tägliche Arbeit im CaFée mit Herz machten sie sehr nachdenklich. Die Größe der Einrichtung und die Vielzahl der angenommen Essensausgaben beeindruckte sie sehr. Welches Klientel kommt in die Tagesstätte? Wie alt sind die Menschen im Durchschnitt? Wie hoch ist der Frauenanteil der Gäste? Diese und viele mehr Fragen wurden an den Leiter des CaFée mit Herz gestellt.
Im anschließenden Interview mit Jürgen, einem obdachlosen Mann, erfuhren die Schüler sehr authentisch, wie der „Alltag“ von obdachlosen Menschen aussieht. Welchen täglichen Überlebenskampf führen sie? Wo bekommen sie Nahrung, Kleidung oder medizinische Versorgung? Wie versuchen sie, aus der Obdachlosigkeit herauszukommen? Welche Hilfen werden ihnen angeboten? Wie kommt man in die Obdachlosigkeit? Gibt es Freundschaften? Was würde man heute anders machen? Welche Ziele, Wünsche und Träume existieren? Diese und mehr Fragen stellten die Schüler und erhielten ehrliche Antworten darauf.
Begleitet wurde der Termin im CaFée mit Herz sowie bei Jürgen durch den TV Sender Noa4.
Auf der Seite Wedel.de findet sich ebenfalls ein recht schöner Beitrag des Schulprojektes:
 

An "unserem" letzten Projekttag wurden wir von NOA4 Nachbarn on air begleitet. Vielen herzlichen Dank für diesen wunderbaren Beitrag.

Projektfazit:
Für die Schüler waren die Berichte und Erlebnisse von Susanne Groth, Jan Marquardt und Jürgen absolut interessant und einprägsam.
Sie diskutierten im Anschluss an die beiden Besuche mit Susanne Groth darüber, dass die Hemmschwellen gegenüber Obdachlosen durch die Erfahrungen, die sie in diesen Tagen machen durften, verringert wurden. Sie überlegten, wie sie in Zukunft „auf Tuchfühlung“ mit Obdachlosen gehen könnten.
Während der Projektzeit haben die vier Schüler gemeinsam mit zwei Müttern auf einem Flohmarkt in Hamburg gebrauchte Sachen verkauft. An einem Samstagmorgen um 5 Uhr ging es nach Hamburg und im strömenden Regen wurde bis 18 Uhr versucht, möglichst viele Sachen zu verkaufen. Die Erlöse dieses Flohmarkts spendeten die Schüler an vier Einrichtungen, u. a. erhielt auch Leben im Abseits e. V. einen Scheck. Wir bedanken uns für diesen tollen Einsatz ganz ganz herzlich.
Alle Sachen, die nicht verkauft wurden, bekam am Abend Hanseatic Help zur Verteilung an Einrichtungen. Ein sehr nachhaltiges Handeln der vier Schüler, über das wir uns sehr freuen.
Bei den Schülern besteht ebenfalls der Wunsch, mit Jürgen in Kontakt bleiben zu können. Sehr liebevoll fanden wir, dass sie anboten, Jürgen bei den Renovierungsarbeiten seines neuen Zuhauses zu unterstützen.
Dieses Projekt bestand über Monate aus mehreren unterschiedlichen Projektteilen. Das Engagement und Interesse der Schüler zu sehen, begeisterte uns sehr.
Erneut stellen wir fest, dass Jugendliche sehr offen für das komplexe Thema Obdachlosigkeit sind. Es hat uns sehr viel Freude gemacht, mit diesen engagierten Schülern zu arbeiten.
Kinder und Jugendliche sind die Zukunft und hier sehen wir unsere Aufgabe, ein Umdenken in der Öffentlichkeit zu erzielen, genau am „richtigen Platz“.
Leben im Abseits wird weitere Referate und Projektwochen an Schulen und Universitäten durchführen, um so Jugendliche und junge Erwachsene für Ihre Mitmenschen, die im Abseits leben, zu sensibilisieren.