Unser Jahresrückblick auf ein besonderes Jahr....

Wir freuen uns, dass wir das besondere Jahr 2020 doch mit einigen positiven Meldungen abschließen können.

Zukünfttig werden obdachlose und bedürftige Menschen gebührenfrei einen Personalausweis bekommen.

Seit April haben wir für vier obdachlose Menschen eine Unterkunft gefunden und bis auf weiteres auch finanzieren können und zum Abschluss des Jahres konnten wir für einen obdachlosen Menschen eine Hotelunterkunft finden und finanzieren.

Wir danken allen Freunden, Spendern, Interessierten und Förderern für Eure großartige Unterstützung. Tausend Dank, dass es Euch gibt.

Für Euch alle einen guten Rutsch und ein gesundes neues Jahr. Möge dieses Jahr für all die Menschen auf der Straße positive Überraschungen bieten, das ist unser Neujahrswunsch!

 

Und hier nun unser kompletter Jahresrückblick:

 

Liebe Interessenten, Förderer, Unterstützer und Freunde von Leben im Abseits,
Ein Jahr, welches fast seit Beginn von der Corona Pandemie überschattet war und für uns alle zu einem sehr besonderen Jahr wurde, neigt sich dem Ende. Wir ziehen kurz vor dem Jahreswechsel ein Resümee und lenken den Blick auf die Dinge, die uns während dieses Jahres bewegten.

 

Zu Beginn des Jahres konnten wir noch unser neues Buch UNTER DEM RADR - Leben und Helfen im Abseits im schönen Lichtwarksaal der Toepfer Stiftung und im Goldbekhaus mit einer Lesung vorstellen. Auch unsere Hamburger Dialoge über Obdachlosigkeit haben wir im Januar und Februar mit Experten der Wohnungslosenhilfe durchgeführt, alle anderen Veranstaltungen mussten wir aufgrund der Corona Pandemie absagen.

 

Bildungsprojekte an Schulen konnten wir ebenfalls im Januar und Februar noch durchführen. Diese Projekte sind zu einem sehr wichtigen Bestandteil unserer Vereinsarbeit geworden, denn Jugendliche sind die Zukunft und hier gilt es frühzeitig zu sensibilisieren, damit ein Umdenken zum Thema Armut und Bedürftigkeit erreicht werden kann. Im Februar wurden wir für unsere Bildungsarbeit mit dem PRIMUS Preis für Bildungsarbeit ausgezeichnet, worüber wir uns sehr freuen.

 

Am 16. März ereilte uns alle dann der erste Lock Down. Nahezu alle Tagesstätten-Einrichtungen wurden geschlossen und die Menschen auf der Straße standen vor verschlossenen Türen. Unsere Tage waren damit ausgefüllt, Lebensmittelgutscheine und Geldspenden zu verteilen, damit die Menschen sich Nahrungsmittel und anderes kaufen konnten. Sanitäre Einrichtungen auf der Reeperbahn gab es von einem auf dem anderen Tag nicht mehr. Verzweifelte Versuche, auch mit anderen Behörden, mobile sanitäre Einrichtungen aufstellen zu lassen, scheiterten am NEIN der Sozialbehörde Hamburg. Es war unfassbar, welche Szenarien sich auf der Straße abspielten.

 

Unsere Netzwerkpartner waren, ähnlich wie wir, vollkommen hilflos und haben nur noch reagiert. Untereinander haben wir versucht, uns gegenseitig zu unterstützen und wenn etwas positiv an dieser Zeit war, so war es der Zusammenhalt unter den Netzwerkpartnern.

 

Durch Ihre Unterstützung und der vieler anderer Förderer und Sponsoren, der Empathie und dem Engagement von Freunden und Interessierten und der großen Spendenbereitschaft konnten wir nicht nur die Versorgung der Menschen mit Geld und Lebensmittelgutscheinen auf der Straße sicherstellen, sondern ebenfalls einige Menschen in eine Unterkunft mit Einzelzimmern unterbringen und diese bis zum heutigen Tage auch finanzieren. Unterstützt wurden wir dabei durch großflächige Out of Home Werbung durch die Firma Wall. Einen ganz großen Dank dafür, auch im Namen der obdachlosen Menschen.

 

Nachdem eine Großspende einer Hamburger Firma die Möglichkeit bot, zahlreiche obdachlose Menschen in leerstehende Hotels unterzubringen, entspannte sich die Lage etwas. Einige von ihnen konnten nach dem Hotelaufenthalt in andere Unterkünfte bzw. Wohnungen vermittelt werden.

 

Im Sommer waren unsere Tage während der Hitzeperiode ebenfalls wieder sehr lang. In den frühen Morgenstunden und am Abend haben wir Wasserflaschen und Sonnenschutzmittel an obdachlose Menschen verteilt. Nicht nur die Kälte ist lebensgefährlich für die Menschen auf der Straße, auch die Sonne setzt ihnen immens zu und Dehydrierung, Sonnenbrände oder auch Sonnenstiche sind keine Seltenheit.

 

Vielen obdachlosen Menschen haben wir auch in diesem Jahr finanziell bei der Beschaffung von Ausweisen, Fahrkarten etc. unter die Arme greifen können. Täglich sind wir auf der Straße unterwegs, um nach den obdachlosen Menschen zu schauen, sie ggf. an andere Einrichtungen zu vermitteln oder mit ihnen und erfahrenen Sozialarbeitern den Weg zurück ins Regelsystem zu planen.

 

Im Mai diesen Jahres wurden wir nominiert für den Deutschen Engagementpreis durch den Hamburger Senat. Eine Auszeichnung unserer Arbeit, über die wir sehr glücklich sind. Viele Spendenaktionen wurden von anderen Initiativen zu Gunsten unseres Vereins durchgeführt. Das Pfandrad ist im Herbst bereits zum zweiten Mal für uns im Einsatz.

 

Vom Hamburger Abendblatt, dem Beig Verlag, dem Konkret Magazin und diversen anderen Medien wurden wir und unsere Arbeit in diesem Jahr mit sehr schönen Berichten und Reportagen unterstützt. Der NDR hat uns für den Beitrag Rund um den Michel – Gesichter einer Großstadt einen Tag auf der Straße begleitet. Auch hierfür sagen wir vielen herzlichen Dank.

 

Dank einer gemeinsamen Initiative einer Designerin, eines Fotografen und eines Streetware Shops, können wir ab sofort ausgewählte "STREET WARE" in unserem Online Shop anbieten und den größten Teil der Erlöse aus dem Verkauf in unseren Sozialfonds für die Hilfe von obdachlosen Menschen fließen lassen! Dort finden Sie auch unsere Bücher und vieles mehr. Für Hamburger Freunde sind einige dieser Artikel auch „live“ im Stadtkutter Shop oder im Jussi Krimicafé erhältlich.

 

Da uns während der Corona Pandemie vermehrt Anfragen, wie und wo man helfen kann, erreichten, haben wir uns entschlossen, Online Dialoge mit weiteren Experten aus der Wohnungslosenhilfe durchzuführen. Parallel dazu haben wir unsere Broschüre „Die ABSEITS-Fibel Was weißt Du über Obdachlosigkeit?“, wieder in Zusammenarbeit mit der Druckerei Langebartels & Jürgens, im Oktober d. J. herausgebracht.

 

Dieser Winter wird uns alle vor große Herausforderungen stellen, für obdachlose Menschen aber ist dieser Winter noch lebensgefährlicher. Die Stadt Hamburg bleibt, unverständlich für uns, bei der Unterbringung in Massenunterkünften. Gemeinsam mit einigen Initiativen der Obdachlosenhilfe haben begonnen, diese Menschen in Einzelzimmern in Hotels unterzubringen, da wir der Meinung sind, dass obdachlose Menschen nur so adäquaten Schutz vor Kälte und Ansteckung mit dem Corona Virus finden können.

 

Um die Sozialbehörde Hamburg zu einer anderen Wohnungslosenpolitik aufzufordern, suchen wir Gespräche mit den politischen Vertretern in Bezirksversammlungen und Bürgerschaft. Ziel ist, gemeinsame Anträge und Konzepte an den Hamburger Senat zu verfassen sowie die Öffentlichkeit über die prekären Verhältnisse in der Obdachlosenproblematik aufmerksam zu machen.

 

Die Unterstützung der Carl C. Toepfer Stiftung für unser kleines Büro wurde uns weiter zugesichert und auch die Förderung der Reimund C. Reichstiftung für Personalkosten wurde uns, zu unserer großen Freude, ebenfalls verlängert. Nur so ist es sichergestellt, dass wir unsere Arbeit weiter fortführen und ausbauen können. Herzlichen Dank dafür!

Ein ereignisreiches Vereinsjahr neigt sich dem Ende zu. Neue Planungen, Projekte und Kampagnen stehen „vor der Tür“. Jetzt aber möchten wir Ihnen allen erst einmal ein herzliches Danke schön sagen. 

 

Danke, für Ihre große moralische und finanzielle Hilfe, für Ihr Engagement sowie Ihr anhaltendes Interesse an unserer Arbeit. Wir hoffen, Sie bleiben auch im kommenden Jahr an unserer Seite.

Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie wunderschöne Weihnachten, erholsame Festtage sowie ein glückliches und gesundes Jahr 2021.       

 

Das Team von Leben im Abseits e. V.