Fast eine kleine Weihnachtsgeschichte...

 

Als wir Norbert 2016 kennen lernten, lebte er seit Jahren in einem Zelt im Wald. Durch einen Schicksalsschlag hatte er den „Halt verloren“ und kam so auf die Straße. Sein Ausweis war bereits seit längerer Zeit abgelaufen und ein neuer Ausweis kostet ca. 30 Euro. Diese Summe durch Flaschen sammeln oder betteln zusammen zu bekommen, war utopisch für ihn. Nach dem Interview haben wir Norbert leider nicht mehr wiedergesehen.

 

Als wir am Montag, den 14.12.2020 von dem Straßensozialarbeiter Johan Grasshoff hörten, dass "ein Mann namens Norbert“ bei ihm in der Beratung war, der so gern ein Hotelzimmer hätte, wurden wir hellhörig. Johan erzählte uns, dass Norbert des Öfteren in der Alimaus wäre. Wir baten die Leiterin der Alimaus, Christiane Hartkopf, nach Norbert Ausschau zu halten und einen Treffpunkt für uns mit ihm abzustimmen.

 

Am 15.12.2020 konnten wir uns mit Norbert treffen und ja, er war unser Interviewpartner aus dem Bildband ABSEITS. Er zeigte uns stolz seinen neuen Ausweis, den er mit Hilfe von Johan Grasshoff bekommen hatte und erzählte uns, dass er noch immer in einem Zelt im Wald lebt. Das Zelt sei jedoch kaputt jetzt und er würde unter einer Bank im Wald schlafen. Er hätte so gern ein Hotelzimmer, aber die Warteliste dafür sei sehr lang und es würde wohl kaum Hoffnung auf Erfolg bestehen.

 

In der letzten Woche bekamen wir eine größere Spende von unserem Förderer, der Carl Toepfer Stiftung, die wir zur Hotelübernachtung für obdachlose Menschen einsetzten sollten. Durch weitere Spenden von Privatpersonen konnten wir Norbert sagen, dass wir die Wartezeit für ein Hotelzimmer ganz stark verkürzen können. Er war fassungslos und freute sich riesig. Wir auch, denn es sind Momente wie diese, die uns zeigen, dass sich jeder Kampf für obdachlose Menschen lohnt. Es war ein wirklich unbeschreiblicher Moment für uns alle.

 

Am Mittwoch, den 16.12.2020 hat Johan Grasshoff Norbert in sein Hotelzimmer begleitet und dort kann er jetzt für ein paar Monate Ruhe, Privatsphäre und Schutz finden. Gemeinsam mit Johan, der Norbert weiterhin betreut und Norbert bei allen weiteren Anträgen unterstützt,  werden wir daran arbeiten, dass Norbert nach dem Hotelaufenthalt nicht wieder auf die Straße oder in den Wald zurückgehen muss.

 

Wir werden weiter berichten, wie Norberts Weg weitergeht. Aber erstmal sagen wir, dass diese Unterbringung für uns das schönste Weihnachtsgeschenk ist.